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Frauengolf – die wichtigsten Fakten

In dieser Woche findet eines der wichtigsten Damen-Majors, die US Women’s Open, statt. Anders als bei den Herren, sind viele Details im Damengolf unbekannt. Daher wollen wir sie gerne zusammenfassen und hier vorstellen.

Die Damen-Majors:

Im Laufe der Jahre galten acht verschiedene Turniere im Damengolf als Majors (eingeteilt in 4 Ären), begonnen 1930 mit den Western Open, der LPGA Championship, den US Open und der Titleholders Championship, aktuell sind es fünf Turniere, die als Majors gelten:

 

  • ANA Inspiration – seit 1972 (mit wechselnden Namen), Mission Hills Country Club, Kalifornien, März/April
  • LPGA Championship – seit 1955, diverse Austragungsorte in den USA, Juni
  • US Women’s Open Championship – seit 1946, diverse Austragungsorte in den USA, Juni/Juli
  • Women’s British Open – seit 1976, diverse Austragungsorte in UK, August
  • Evian Championship – seit 2013, diverse Austragungsorte in FRAU, September

Die erfolgreichsten Major-Spielerinnen:

Patty Berg (US)  - 15 Titel
Mickey Wright – 13 Titel
Louise Suggs – 11 Titel
Annika Sörenstam / Babe Zaharias – je 10 Titel

Babe Zaharias gewann 1950 alle drei damals ausgetragenen Majors, also ein quasi-Grand-Slam. Patty Berg, Anika Sörenstam und Inbee Park gewannen je drei aufeinanderfolgende Major-Turniere. Mickey Wright (1961), Pat Bradley (1986) und Inbee Park (2013) gewannen im jeweils angegebenen Jahr drei Major-Titel.

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Die Popstars im Damengolf:

Babe Didrickson-Zaharias
41 Turniersiege, 10 Majors

Sie war bereits Top-Athletin, bevor sie den Golf-Zirkus betrat. Die Leichtathletin gewann olympische Goldmedaillen und Weltrekorde im Hürdenlauf und Speerwurf und mischte sogar im Basketball mit. 1935, in ihren 20ern begann die Ausnahmeathletin Golf zu spielen, 1942 wurde sie Amateur, 1947 Golfprofi. Bereits 1950 gewann sie jeden damals möglichen Golftitel. Auf dem Platz war sie sehr beliebt, ihre raschen und oft ungehobelten Witze gegenüber dem Publikum brachten ihr einen Star-Status. Sie war 1950 Gründungsmitglied der LPGA und gewann 82 Turniere während ihrer aktiven Golflaufbahn, inklusive 3 Major-Titeln innerhalb eines Jahres. Auch während ihrer Krebserkrankung ab 1954 spielte sie weiter Golf, 1956 starb sie 45jährig. Sie gilt immer noch als eine der strahlendsten Erscheinungen im Damengolf.

 

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Nancy Lopez

48 Turniersiege, 3 Majors

Nancy Lopez schrieb Geschichte. Sie gewann in ihrer ersten Pro-Saison fünf Turniere hintereinander, neun insgesamt, und wurde die erste Frau, die gleichzeitig mit den Auszeichnungen für ’Rookie of the Year‘ und ’Player of the Year‘ geehrt wurde. Ihre Karriere startete sie mit einem Sieg bei den New Mexico Women’s Amateur als 12-Jährige. Von da an gewann sie zahllose Trophäen bevor sie 1977, mit 19, Proette wurde. Ihre unglaubliche Technik, gepaart mit ansteckendem Lachen und einer sehr charmanten Persönlichkeit, machte sie zum Superstar, der Damengolf während der 70er Jahre in die breite Öffentlichkeit trug. Bis 2003 spielte sie Golf.

 

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Karrie Webb
56 Turniersiege, 7 Majors

Karrie Webb war die erste Golferin, die mehr als eine Million Dollar in einer Saison verdiente. Sie begann mit 20 als Amateur Golf zu spielen und innerhalb von zwei Jahren wurde sie Pro. Ihre erfolgreiche Karriere wurde sichtbar, als sie 2001 ein Match spielen sollte, das Fernsehgeschichte und Damengolfgeschichte schrieb. Gemeinsam mit David Duvall trat sie gegen Annika Sörenstam und Tiger Woods an, die besten vier Golfer ihrer Zeit. Damit katapultierte sie Damengolf in den Himmel internationaler Aufmerksamkeit.

 

 

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Patty Berg
63 Turniersiege, 15 Majors

Als Gründungsmitglied und erste Präsidentin der LPGA hält sie außerdem den All-Time Rekord aller Golferinnen (und Golfer). Nach einem schweren Autounfall kurz nach dem Start ihrer Pro-Karriere erholte sie sich rasch und spielte bis 1962 professionell Golf. Einige der höchsten Auszeichnungen in der Sportwelt wurden ihr verliehen und sie blieb ihrer Liebe, dem Golf-Unterricht immer treu. Mit 88 Jahren starb sie 2006 an den Folgen ihrer Alzheimer-Krankheit.

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Die, immer noch, aktuelle soziale Gleichberechtingungs-Frage:

Yuriko Koike, Gouverneurin von Tokio, hat sich in ihrer Aussage zu Beginn dieses Jahres vornehm zurückgehalten. „Großes Unbehagen“ bereite ihr die Tatsache, dass der Kasumigaseki Country Club Frauen nicht als Vollmitglieder akzeptiert und an Sonntagen Damen dort nicht golfen dürfen. Der Sonntag ist der Tag der Herren. Angesichts der Tatsache, dass es sich just um jenen Klub handelt, der das nächste olympische Golfturnier veranstalten soll (Tokio ist Ausrichter der Sommerspiele 2020), ist diese Herangehensweise zumindest irritierend. Leider stellt sich der Golfsport wieder einmal in Sachen Gleichberechtigung somit keinesfalls im besten Licht dar. Bereits die Diskussion im letzten Jahr, als die Mitglieder von Muirfield die Aufnahme von Frauen verweigerten und damit das Recht verloren, das British Open (für Herren) auszutragen, prägte das Bild von staubigem Sexismus. In den kommenden Monaten wird zwar eine weitere Abstimmung erwartet, das angeschlagene Image jedoch dürfte kaum mehr wieder gutzumachen sein. Auf ihre ganz eigene Art haben sich die Einwohnerinnen Edinburghs an Muirfield gerächt: Das Foto einer Parkbank, die eine Plakette trägt, die den Mitgliedern von Muirfield verbietet, auf der Bank Platz zu nehmen, ging um die Welt. Von vollstem Verständnis für die Herren von Muirfield, die ihren Klub so verwalten sollten, wie es ihnen entspricht, bis zu frenetischem schriftlichem Beifall für die Aktion kam alles vor. Ein weiteres prominentes Beispiel für die Öffnung von Golfklubs für Frauen, die vorher Männern vorbehalten waren, ist der Augusta Nation Golf Club, jährlicher Austragungsort des Masters. 1932 gegründet, sind seit 2012 auch Frauen zugelassen. Nach großem öffentlichem Druck wurden die damalige US-Außenministerin Condoleezza Rice und die Bankmanagerin Darla Moore als erste weibliche Mitglieder aufgenommen.

Die Einkommensschere im Spitzensport: 

Die USGA, aber auch alle vergleichbaren Golf-Vereinigungen, haben eine lange Geschichte im Ausstellen von weit größeren Schecks an Herren als an Damen. Zum Einstieg ein kurzer beispielhafter Vergleich der Dotierungen der Herren US Open und der Damen US Open:

 

Jahr Damen Sieger Herren Sieger % Anteil Damen
1964 $2,090 $17,000 12.3%
1972 $6,000 $30,000 20%
1990 $85,000 $220,000 38.6%
2000 $500,000 $800,000 62.5%
2014 $720,000 $1.62 M 44.4%
2015 $810,000 $1.8 M 45%

 

 

 

Dieser Logik folgend müssten Herren doppelt so gut wie Damen spielen. Rein auf sportlichem Level geht sich das keinesfalls aus. Der Durchschnitt der Top 10 in Scores und Birdies auf beiden Touren zeigt dass das Verhältnis durchaus ausgewogen ist. Die Top 10 auf der Damentour spielen durchschnittlich 69,75 Schläge pro Runde und die Top 10 Birdie-Statistik zeigt 4,36 Schläge pro 18 Loch. Bei den Herren sind es 69,34 Schläge, und 4,61 in der Birdie-Statistik. Die Herren sind länger vom Tee, die Damen sind präziser. Die Männer spielen statistisch besser aus dem Sand, die Damen treffen mehr Grüns in Regulation. So, was macht den Unterschied?

2015 verdiente Jordan Spieth 23 Millionen Dollar aus Preisgeldern, 30 Millionen Dollar darüber hinaus (Sponsoren, Boni, Beteiligungen, Rechte, etc.). Lydia Ko, vergleichbar im Ranking, brachte es im selben Jahr auf 2,8 Millionen Dollar Preisgelder und 750.000 Dollar zusätzlich. Das macht das 15fache weniger als die Spitzengruppe der Herren.

In der Einkommens-Liste 2016 muss man bei den Herren bis Platz 18 (Adam Scott – 1,5 Millionen Dollar) gehen um die Verdienste aus dem reinen Golfspiel überhaupt mit der besten Dame (Stacey Lewis 1,8 Millionen Dollar) vergleichen zu können. Rechnet man die Nebenerwerbs-Einkommen dazu liegt man bei den Herren beim Rang 46  (J. B. Holmes) um auf Stacy Lewis Gesamteinkommen von 5,9 Millionen Dollar zu kommen.

Golf ist einer der behäbigsten Bereiche generell, wenn es um gleichberechtigte Zahlung geht. Nährinnen der Ford-Werke starteten Anfang der 60er Jahre in Großbritannien die Streikkultur, um gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu verlangen, im Golf hat sich seitdem nicht viel getan. Aktuell kann ein männlicher Golfer erwarten, immer noch 83% mehr zu verdienen als eine gleich gute professionelle Golferin. Mit dem gleichen Trainingsaufwand, der gleichen Ausbildung – und den gleichen Erfolgen.

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