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Einfach ein Ball?

Einfach ein Ball?

Müsste man unsere Beziehung zum Golfball im intimen Umfeld einer Therapiestunde beschreiben, wäre sogar Dr. Freud selbst rot geworden. Zuerst suchen wir ihn unter schamlos finanziellen Kriterien aus, meist umso teurer umso besser. Dann sprechen wir ihn an. Wir konzentrieren auf ihn, wir stecken ihn in den Hosensack, wir waschen und liebkosen ihn. Wir prügeln auf ihn ein, wir geben ihm die Schuld an unserer Misere, wir sind stolz wenn er beim ersten Versuch ins Loch getroffen hat. Wir geben ihm Kosenamen, von ’kleiner Scheißer’ bis ’Rakete’, von ’Sau’ bis ’Früchtchen’. Wir nennen ihn feig, fett oder dünn. Wenn er uns verlässt ist er rasch ersetzt und manchmal dauert die Beziehung generell nur sehr sehr kurz. Diese Art der Beziehung kann man durchaus intim und besonders nennen. 

 Dabei wissen wir gar nicht so viel über den Golfball, hier eine kleine Aufklärung.

Baelle

Golfregeln

Wenn’s nach den Herstellern ginge wären unsere Drives schon viel länger. Weil die können weit effizientere Bälle bauen wenn sie nur dürften. Was uns limitiert sind die Golfregeln, die die Basics des Golfballes laut R&A beschreiben:

Durchmesser: Der Durchmesser muss mindestens 42,67 Millimeter betragen. Kleinere Bälle bieten weniger Luftwiderstand, also mehr Länge, deshalb sind sie verboten.

Gewicht: Das maximale Gewicht liegt bei 45,93 Gramm. Schwerere Bälle würden weiter fliegen, also wird auch das regeltechnisch vermasselt.

Geschwindigkeit: Die Geschwindigkeit darf beim Verlassen des Schlägerkopfes (ist nicht gleich Schlägerkopfgeschwindigkeit) beim Test mit der Zulassungsmaschine eine Geschwindigkeit von 76,2 m/s bei einer Lufttemperatur von 23°C nicht überschreiten. Ist mal ein Richtwert, der allerdings in der Anwendung dann doch recht aussagelos ist.

Reichweite: Bei einer Schlägerkopfgeschwindigkeit von 48,8m/s dürfen max. 256m Reichweite erzielt werden. Macht nichts. Viele GolferInnen schwingen rascher und die neuen Schläger bringen größere Weiten gut zustande.

Sphärische Symmetrie: Der Golfball darf sich beim Treffen an verschiedenen Stellen nicht unterschiedlich verhalten. Ok, allerdings wird ein Golfball im Treffmoment erheblich zusammengestaucht und ist alles andere als symmetrisch. Hilft uns, weil der Ball beim Freiwerden dieser gestauten Energie schneller wird, der effektive Vorteil ist aber überschaubar.

Aus diesen Voraussetzungen lässt sich bereits hervorragend ablesen, in welchen Bereichen Golfballhersteller agieren können. Nämlich Spin und Oberfläche, alles andere ist streng limitiert.

 

Was hält den Ball in der Luft?

Wie immer im Golf: Physik. Strömungsmechanik im Besonderen. Sehr vereinfacht gesagt: Grundsätzlich fliegt so ein Ball durch seinen Drall (= Spin). Durch die Drehung entsteht an der Unterseite ein Luftpolster, dadurch gibt’s den (guten) Auftrieb. Der (böse) Luftwiderstand wird durch die Dimples im Zaum gehalten, diese generieren mikroskopische Turbulenzen, die wiederum wie ein fliegender Teppich wirken. Davon sind mehr aber nicht zwingend besser. Üblich sind 300 bis 400 Dimples, die circa 92% der Balloberfläche abdecken. Alles darüber hinaus macht den Ball nur wieder annähernd glatt und mindert die Auftriebseigenschaften.

Die im Golf optimale Flugkurve wird durch eine Kombination von vornehmlich drei Faktoren beeinflusst: von der Startgeschwindigkeit, dem Abflugwinkel und der Spin-Rate. Wenn diese Faktoren ideal zusammenpassen, fliegt der Ball wunderbar. Die Startgeschwindigkeit geben wir durch unsere Schwunggeschwindigkeit vor. Der Abflugwinkel ist von der Stellung des Schlägerblatts abhängig, die Spin-Rate jedoch ist schon hinterhältiger. Sie ist abhängig von der Startgeschwindigkeit – man braucht die richtige Menge davon, um eine annähernd ideale Flugkurve zu erzielen –, und sie setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: dem Backspin und dem Side-Spin.

 

Was ist mit dem Spin?

Mehr Spin – der Jumbo
Bälle mit viel Spin, also viel Auftrieb, steigen höher (was grundsätzlich gut ist, weil der Ball weiter fliegt), fallen aber bei geringer oder nachlassender Geschwindigkeit auch ganz schnell wieder herunter und bleiben auf der Stelle liegen. Sie sind leichter kontrollierbar und sie nehmen aber auch viel Side-Spin – oft unbeliebt als unabsichtlicher Draw, Fade, Hook oder Slice auftretend – an. Dennoch sind sie gut für SpielerInnen mit langsamerem Schwung, weil mehr Auftrieb einfach mehr Carrylänge bedeutet. im Flugzeugvergleich sind das „Jumbo-Bälle“: Ein Jumbojet fliegt langsamer, braucht seine großen Flügel daher für genügend Auftrieb. Diese Bälle sind im Kern weicher, sie komprimieren sich beim Abschlag leichter und geben so mehr Drall ab. „more spin“ sollte hier auf der Packung stehen,

Weniger Spin – der Jet
Jumbo-Bälle sind aber suboptimal für GolferInnen, die hart und schnell schlagen, weil sie durch den Auftrieb Länge verlieren. Bälle mit weniger Spin steigen weniger hoch, fallen aber auch nicht so schnell wieder herunter, wenn der Auftrieb nachlässt. Durch die weniger rundliche Flugkurve rollen sie auch auf dem Boden meist noch ein Weilchen. Sie sind weniger kontrollierbar und auch weniger anfällig für Seitendrall. In der Flugzeug-Sprache: ’Jet Bälle’, die durch Geschwindigkeit statt großer Flügel in der Luft bleiben. Diese Jetbälle sind normalerweise im Kern härter, komprimieren sich weniger und kreieren dadurch weniger Spin, aber mehr Geschwindigkeit.

Was nun besser ist, hängt natürlich vom individuellen Können und von den Vorlieben ab. Das sind jedenfalls die Facts.

Ball aufgeschnitten

Warum sind die verschiedenen Schichten wichtig?

Je mehr Schichten umso teuer. Ist ja auch verständlich. Aber wozu – ist das Marketing? Ein Golfball ist in der Minimalvariante aus einem Kern und einem Mantel gebaut. Das reicht an sich. Darüber hinaus gibt es aber bis zu drei Zwischenschichten, die verschiedenes wollen und können.

Kern
Die Kernfrage bestimmt die Grundeigenschaften. Je fester und kleiner der Kern des Balls ist, umso weniger verformt er sich im Moment des Schlags, und umso weniger Spin nimmt er an – ein Jet-Ball also. Je größer und weicher der Kern ist, umso mehr verformt er sich beim Abschlag und nimmt mehr Spin an – ein Jumbo-Ball.

Zwischenschichten
Nun wollen wir aber lange Bälle mit dem Driver, egal ob Jet oder Jumbo, im kurzen Spiel verlangen wir aber Kontrolle und Gefühl. Daher wird bei teureren Bällen die Komprimierung des Balles je nach Schlaghärte durch Zwischenschichten abgestuft. Wird der Ball beim Abschlag hart geschlagen, verformt er sich bis zur Kernschicht, bei abnehmend harten Schlägen bis zum Green variieren die Balleigenschaften je nach den Zwischenlagen. Bälle mit dem Fokus auf Kontrolle für das kurze Spiel sind, vereinfacht gesagt, innen härter und werden nach außen weicher (meist die Jet-Bälle), Bälle, die Distanz unterstützen sollen sind innen weicher und werden außen härter (die Jumbo-Bälle).

Mantel
Auch die Beschaffenheit des Außenmantels ist abhängig vom Fokus des Balls und folgen der Jet/Jumbo-Idee. Dünne, weichere Schalen machen den Ball im Kurzspiel kontrollierbarer, harte Schalen kommen der Geschwindigkeit zugute und sind rund um’s Grün etwas bockiger. Dazu kommt dass der optimale Energietransfer zwischen Schläger und Ball in jedem Fall gewährleistet bleiben soll. Deshalb werden Nähte an der Balloberfläche vermieden so weit geht. Nahtlose Bälle oder auch speziell verzahnte Nähte exakt entlang der Dimples verbessern die Oberflächenabdeckung für die Aerodynamik und die Übertragungsenergie.

So einen mehrschichtiger Ball herzustellen ist eine ziemliche Herausforderung. Die verschiedenen Lagen werden meist auf den Kern aufgespritzt, der Kern muss trotzdem exakt mittig bleiben, die Schichten sind verschieden weich und schwer. Und, nicht zu vergessen die Trägheit. Eines der neuesten Forschungsfelder der Ballentwicklung ist es, wie auch bei den Schlägern, das Gewicht nach außen, an den Rand zu transportieren, um die Trägheit zu erhöhen, den Seitendrall zu reduzieren und den Ball so richtungsstabiler zu machen.

 

Welchen Ball soll ich spielen?

Grundsätzlich sind alle im Fachhandel erhältlichen Bälle gute Golfbälle. Für welchen Sie sich entscheiden sollten hängt neben den Jet/Jumbo Haupt-Voraussetzungen von einigen weiteren individuellen Faktoren ab.

Als Einsteiger oder Selten-Spieler zahlt es sich keinesfalls aus, teure Bälle zu kaufen. Wenn Sie Ihren Verbrauch hochrechnen werden Sie zu weinen beginnen und Ihrem Spiel wird es nicht helfen. Ein ordentlicher 2-Piece-Ball ist jedenfalls auf Ihre Schwunggeschwindigkeit, Ihre Nicht-Konstanz und Ihr Bedürfnis nach Weite ausgelegt. Alle anderen Bälle würden maximal Ihre Fehler verstärken.

Im Handicapbereich zwischen 10 und 30 findet sich eine Vielzahl von sehr guten Bällen aller Anbieter. Je nach individueller Vorliebe weicher mit mehr Response und Manövrierbarkeit für kurze Schläge, härter mit Fokus auf Geschwindigkeit beim Abschlag, mehr Augenmerk auf flache Landephasen für mehr Roll, reduziertem Side-Spin für geradere Schläge uvm. Jeder Ball ist individuell und sollte Ihnen und Ihrem Equipment als auch Ihrer Spielstärke passen.

Der Top-Spieler Bereich ist natürlich in dieser Hinsicht noch spezieller. DEN Ball gibt es nicht. Umso differenzierter das Spielkönnen, umso wichtiger, dass der Ball die persönlichen Stärken unterstützt und ideal mit Spieler und Equipment korreliert.

Genaues Ausprobieren und profunde Beratung machen jedenfalls Sinn, Ballfittings sind keine Seltenheit mehr. Verschiedene Schäfte reagieren auf verschiedene Bälle unterschiedlich und Bälle reagieren höchst unterschiedlich auf verschiedene Schwünge.

Wichtig ist jedenfalls, dass der permanente Wechsel von Bällen, wie es auch beim Schläger wäre, konstantes Spiel sicher nicht unterstützt. Jeder Ball fliegt etwas anders, fühlt sich etwas anders an und reagiert verschieden. Auch die Angst vor dem Wasserhindernis, an dem bevorzugt gefundene oder alte Bälle verwendet werden, wird dadurch nicht besser. Je gewohnter man einen Ball und seine Eigenschaften ist, umso mehr Konstanz generiert man im Spiel, speziell bei schwierigen Schlägen.

Golfball Volvik

Die aktuell erfrischendsten und aufregendsten Golfbälle auf dem Markt:

Volvik Vivid
Colour rules

Seit 1989 sind die koreanischen Volvik Bälle auf dem Markt und lassen an Qualität auf nichts verzichten. Ausgehend von der asiatischen Tour trat die Company den Siegeszug rund um die Welt an und gehört mittlerweile zu den größten und auch qualitativ besten Golfball-Herstellern der Welt. Ein nicht zu unterschätzender Teil des Erfolges sind die knallbunten, mit den besten anderen 3-Piece Bällen am Markt jedenfalls vergleichbaren, Bälle. Diverse internationale Tests bestätigen die Performance, Bubba Watson zeigt vor wie es geht, und auf dem Platz sehen kann man sie jedenfalls besser als jedes vergleichbare Produkt auf dem Markt.

Volvik Vivid >

Golfball Callaway

Callaway Chrome Soft
Besser gesehen werden

Der Chrome Soft ist wirtschaftlich einer der erfolgreichsten Bälle aller Zeiten. Die neue Version 2017 mixt einen besonders weichen DualSoftFast Kern mit niedriger Kompression, einer tri-ionomer Mantelschichte und einer harten Tour Urethan-Schale mit dem patentierten Hex Aerodynamic Muster.

Callaway Chrome Soft >

Golfball Srixon

Srixon Soft Feel Ladies
Eine perfekte Wahl

Srixon gehört unbestritten zu den besten Ballanbietern im Markt. Speziell für Damen im mittleren Handicap-Bereich ist der Soft Feel eine optimale Wahl. Er ist weich (nicht so weich wie die Marshmellow-Verpackung suggeriert), nimmt viel Spin an (also ein Jumbo-Ball), fliegt deshalb hoch weg, bleibt aber stabil und rollt auch lange aus. Das alles macht ihn weit für langsamere Schwunggeschwindigkeiten. Da wäre falscher Ehrgeiz unangebracht – der ist perfekt für jede Dame bis Handicap 10.

Srixon Soft Feel Ladies >

Golfball Titleist

Titleist
Alle Rekorde

Seit 1932 baut Titleist Bälle. Und seit damals fokussiert sich die Firma auf Professionals. Das zahlt sich aus. Titleist Bälle werden heute noch von mehr (insgesamt 2/3) Playing Pros gespielt als alle anderen Ballmarken zusammen (und 5mal mehr als der nächste Mitanbieter). Und Titleist verkauft auch mit Abstand mehr Golfbälle als alle anderen Hersteller. Das Top-Segment wird mit dem Pro V1 und Pro V1x seit 15 Jahren mehr oder weniger nach Belieben dominiert. Apropos: In Flugzeugen wäre der Pro V1 der Jet und der Pro V1x der Jumbo, dennoch sind auch alle günstigeren Titleist Bälle eine Top-Wahl. Ausprobieren und ein Ballfitting zahlen sich hier (auch finanziell) richtig aus.

Titleist >

Golfball Wilson

Wilson PX3
Weich als Markenzeichen

Wilson gehört seit Beginn des 20. Jahrhunderts zu den traditionellsten und besten Golfherstellern. Diese Erfahrung bringt die Company in ihre Golfbälle ein. Besonders in Sachen Low Compression kann niemand das Wasser reichen. Speziell die DX3 Bälle, als ’Spin’ und ’Urethane’ Versionen erhältlich, bieten ein besonders weiches Gefühl und super Spin rund um das Grün, ohne den Speed vom Abschlag missen zu lassen. Die Spin-Variante bietet etwas mehr Weite, während ’Urethane’ den Fokus auf das perfekte Kurzspiel legt.

Wilson PX3 >

Golfball Bridgestone

Bridgestone E6
Unterschätzte Hochleistung

75% aller Golfer, selbst sehr gute, schlagen mit einer Schlägerkopfgeschwindigkeit unter 105mph / 170 kmh laut riesig angelegten Golfball-Fittings. Darauf reagiert der Ball-Profi Bridgestone mit einem Ball, der einen weicheren Kern mit hoher Dichte baut und mit weicher Schale elastische Eigenschaften generiert. Auch an diesem Ball, wie an allen weiteren von Bridgestone erkennt man Technologie und Handwerk in höchster Qualität. Bridgestone ist eine wirklich perfekte Alternative zu vielen der bekannteren Ballhersteller am Markt.

Bridgestone >

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